Die Weihnachtsfeiertage sind soeben vorbei. Hui, das ging aber wieder schnell! Ich freue mich sehr über noch ein paar zusätzliche Tage Urlaub. Bestimmt lassen sich in diesen Tagen noch einige Dinge erledigen, die liegengeblieben sind.
Zu Heiligabend haben Gitti und ich mal wieder eine Peking-Ente zubereitet. Welch ein Festmahl! Es ist uns jedoch nicht gelungen, sie vollständig zu verputzen.
Wir inspizieren die Reste des Festmahls. Es gibt noch ein paar Brocken Entenfleisch, einige hauchdünne Brote und ein Häufchen Frühlingszwiebeln, die wir so eingeschnitten hatten, dass sie sich in kaltem Wasser zu kleinen Pinseln auffächerten. Von der mal wieder improvisierten Sauce ist nichts übriggeblieben.
Besonders hungrig sind wir beide gerade nicht, aber Appetit, ja, so etwas wie Appetit ließe sich gewiss schon wieder entwickeln. Was machen wir also nun? Gitti sprüht vor Ideen, und daraus entsteht nun dies:
Die hauchdünnen Brote erwärmen wir über heißem Wasserdampf.
Während Gitti die Entenfleischstücke in kleinere Stücke schneidet, zerstöre ich die Frühlingszwiebel-Pinsel, indem ich sie kleinhacke. Zusammen mit einem halben Becher Schmand wandert alles in einen schmalen, hohen Becher. Gitti würzt mit Salz, Pfeffer und Chilipulver. Dann püriert sie den Inhalt des Bechers zu einer dicken, würzigen Paste.
Inzwischen stelle ich eine ähnliche Sauce her, wie wir sie bereits an Heiligabend zur Ente genossen haben. In den Tiefen unserer Vorratsschränke finde ich fertige Hoisin-Sauce, also mache ich es mir für heute einmal ganz leicht und peppe lediglich die Hoisin-Sauce mit kleingewürfeltem, in Erdnussöl angeröstetem Knoblauch auf. Ein bisschen Chilipulver und etwas frisch gemahlener Pfeffer runden den Geschmack ab.
Innerhalb nur weniger Minuten sitzen wir am flink gedeckten Tisch. Gitti und ich kredenzen uns einen leckeren Rotwein. Dann bestreichen wir jeweils eines der warmen Brote mit der aufgepeppten Sauce, geben einen Klecks der kühlen Paste darauf und rollen das Ding ein bisschen ein. Das macht Spaß! Vor allem aber stellt es sich als eine herzhafte Leckerei heraus. Der Wein passt hervorragend.
So drehen wir weiter unsere Runden und Rollen, bis wir satt und zufrieden dann noch einige Zeit beisammensitzen und uns über alles Mögliche unterhalten.
Während wir die Küche aufräumen, tritt Gitti auf den kleinen Wirtschaftsbalkon hinaus, der an die Küche anschließt und unter anderem unsere Mülleimer beherbergt. Unten auf der Straße steht die freundliche Nachbarin von gegenüber.
Gitti winkt und ruft ihr zu: „Frohes Neues Jahr!“
Ich stehe am Spülbecken und traue meinen Ohren nicht. Bis Silvester sind es noch ganze vier Tage und dazu kommt noch der Rest von heute!
Die Nachbarin ruft ebenfalls winkend zurück: „Guten Rutsch!“
Gitti kommt wieder herein und fragt, worüber ich so herzhaft lache. Kichernd bringe ich heraus: „Du bist echt gut, hihi, findest Du Deinen Gruß nicht auch recht zeitig?“
Zu ergänzenden Erklärungen sehe ich mich vorübergehend nicht imstande. Gitti schüttelt den Kopf, wundert sich weiter über mich und versucht, meine Heiterkeit zu ergründen.
Ich versuche, ihr auf die Sprünge zu helfen. Deshalb frage ich, ob sie der lieben Nachbarin dann nächste Woche Helau, Alaaf, oder Narri-Narro zurufen wird. Gitti guckt verständnislos. Warum sollte ausgerechnet sie nächste Woche Karnevalsrufe über das Geländer des Balkons gehen lassen? Solch ein Unsinn!
„Du könntest ihr nächste Woche aber auch schon mal Frohe Ostern wünschen! Das wäre rechtzeitig und zugleich recht zeitig, findest Du nicht?“, rege ich an.
Und dann kommt in Gitti schlagartig und mit voller Wucht an, was ich meine. Den restlichen Abend prustet sie immer wieder los. Tagelang witzeln wir darüber. Und heute Nacht werde ich zum Jahreswechsel meine Ohren spitzen, denn Gitti und ich feiern außer Haus. Ich bin schon sehr gespannt darauf, welche Wünsche sie zum Besten geben wird.
Bis dahin: Guten Rutsch!!