Wem ist nicht schon einmal ein Pedant auf die Nerven gegangen, der immerzu auf die Angabe von Einheiten pocht? Alle kennen das, niemand mag es – und ich kann auch ganz schön pedantisch sein.
Gerne rede ich mich damit heraus, dass mein Beruf eine gewisse Akkuratesse von mir verlangt. Das mag schon stimmen, aber ich muss echt aufpassen, es nicht zu übertreiben. So gönne ich mir durchaus häufiger mal ein laxes Verhalten, lasse generös fünfe gerade sein und stoße mich derweil an meinen eigenen Ansprüchen.
Gitti hält mir ihren Autoschlüssel entgegen. Begleitet von einem ganz lieben Lächeln fragt sie: „Fährst Du?“
Stimmt, wir sind ja gleich zum Kaffee verabredet! Wenige Minuten später düsen wir los. Die Sonne scheint, es ist heiß, und wir freuen uns schon auf einen lustigen Nachmittag. Wir fahren durch den Nachbarort. Die Straße ist von Bäumen gesäumt. Gleißende Sonnenstrahlen zucken durchs Geäst und blenden mich kurzzeitig.
Plötzlich zuckt ein kurzer Lichtstrahl von der anderen Seite durch die Windschutzscheibe. Wie das? Fiel das Sonnenlicht gerade auf eine spiegelglatte Oberfläche? Wurde es reflektiert? Ich gucke reflexartig auf den Tacho und frage Gitti: „Hier ist doch 50, oder?“
Gitti hat nicht aufgepasst, sie weiß nicht Bescheid. Aber sie folgt ihrer eigenen Berufskrankheit und will wissen: „Fünfzig was? Äpfel, Grad Celsius, Liter?“ Gitti erwartet jetzt keine Antwort, ihre Frage ist rein rhetorischer Natur.
Wir denken kurz an unsere Schulzeiten zurück. Speziell bei Aufgaben aus dem großen Feld der Mathematik, der Physik und der Chemie wurde stets großen Wert auf Lösungen gelegt, die nicht nur einen Zahlenwert, sondern auch eine dazu passende Einheit enthielten.
So weit müssen wir beide eigentlich gar nicht zurückdenken, denn am selben Vormittag haben Gitti und ich im Supermarkt eine leckere Wassermelone erstanden, und das war auch schon nicht so einfach. Lass uns also kurz gemeinsam die Uhr um ein paar Stunden zurückdrehen:
An einer Kiste, in der ganz viele Wassermelonen liegen, prangt groß das Preisversprechen von 1,29 €. Das gilt natürlich nicht pro Stück, sondern pro Kilogramm. Das Preisschild ziert zusätzlich eine Nummer, die man beim Wiegen der Ware an einer Waage eingeben muss. Neben der Waage steht ein kleiner Klebeschilddrucker. Der spuckt unmittelbar nach dem Wiegevorgang ein Klebeschild mit der Warenbezeichnung, dem Grundpreis, einem Barcode und dem Verkaufspreis aus.
Ich suche also eine Melone aus, merke mir die Nummer und begebe mich zur Waage. Die Melone wiegt etwas mehr als drei Kilogramm. Das Schild weist einen astronomisch hohen Preis aus. Bei genauerer Betrachtung stelle ich fest, dass die Waage von bereits geschnittenen Wassermelonenstücken ausgeht. Diese vom Händler geleistete Vorarbeit hat ihren Preis. Das passt aber nicht zu meiner Wahl, schließlich werde ich hier zu gegebener Zeit selbst ein Messer zücken und Hand anlegen!
Ein Marktmitarbeiter verspricht, das Programm der Waage anzupassen. Wir sollen in der Zwischenzeit unseren restlichen Einkauf erledigen und dann nochmal wiederkommen.
Als ich zurückkehre, ist von diesem Mitarbeiter nichts mehr zu sehen. Das Problem präsentiert sich in unveränderter Weise. Ich bin kurz davor, die schöne Melone doch nicht zu kaufen, da eilt mir ein anderer Mitarbeiter des Hauses zu Hilfe. Sein Ansatz ist pragmatischer Natur. Er läuft kurz durch einen Nachbargang, lässt seine Augen schweifen und findet eine andere Ware, die denselben Grundpreis hat. Dann wiegt er meine Melone und klebt breit grinsend das frisch ausgedruckte Schild auf, welches mir nun gut drei Kilogramm Bananen für eine Wassermelone vormacht. Der Preis passt. Der freundliche Helfer notiert noch seinen Namen auf dem Klebeschild und bittet mich, ihn anrufen zu lassen, falls es an der Kasse Probleme geben sollte.
Vier Wochen später erhält Gitti Post von einer Bußgeldstelle. Auf dem Bogen prangt ein lustiges Foto. Ich bin darauf gar nicht so schlecht getroffen, das finden wir beide.
Wir studieren den Inhalt des Schreibens. Und dann sage ich zu Gitti: „Da ist schon 50, leider aber 50 € und nicht 50 km/h.“
Das mit den Einheiten im Alltag ist manchmal schon blöd!
Sehr schön, wie immer. Liebe Grüße an Euch beide!
Zu den Einheiten ein schönes Mathematisches Beispiel:
1 € = 100 Cent
= 10 Cent x 10 Cent
= 0,1€ x 0,1€
= 0,01€
= 1 Cent????
Wie ihr beide natürlich gemerkt habt, liegt der Fehler in der zweiten Zeile und in der vorletzten.
10 Cent x 10 Cent wären 100 Cent² und ein Euro ist 10 x 10 Cent.
Jaja, die lieben Einheiten!!
Viele Grüße aus den Niederlanden!
Tom