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Gemeinsamkeiten

Früh am Morgen wirft die Sonne vielversprechende Strahlen durch unsere Fenster. Sie lockt uns aus dem Haus. Eigentlich hätten wir zuerst ein wenig durch unseren Haushalt wirbeln sollen. Danach stünde ein ausgedehntes Frühstück auf unserem Programm. Über mögliche Aktivitäten im Freien hätten wir uns vermutlich ausgangs des Frühstücks verständigt.

Leise hege ich einen Verdacht: Wenn wir unser Programm nicht ändern, werden wir am Ende des Tages zu Hause geblieben sein!

In Gitti arbeitet es offensichtlich ebenso und in nahezu gleicher Weise. Parallel und ohne weitere Absprache zücken wir unsere Smartphones und konsultieren unterschiedliche Apps, die sogleich mit recht ähnlichen Wettervorhersagen aufwarten.

Wir legen die Geräte beiseite und sehen einander an.

Ich frage: „Höhenpark Killesberg?“

Gitti fragt: „Jetzt?“

Im Chor und mit zwei bedeutungsschwangeren Blicken nach draußen verkünden wir einander das Ergebnis: „Besser ist es!“

Geschäftiges Treiben setzt ein. Gitti und ich machen uns fertig, das Haus zu verlassen. Unsere Mienen verraten etwas über die Vorfreude, die sich bereits beeilt, um sich noch vor unserem Aufbruch wohlig in uns ausbreiten zu können. Ganz ohne Vorfreude ist es halb so schön. Bei spontanen Aktivitäten muss die Vorfreude halt Gas geben, um noch in gebührendem Maße empfunden werden zu können!

Im Höhenpark spazieren Gitti und ich wenig später fröhlich umher. Die Sonne scheint immer noch. Am Horizont ziehen zwar ein paar dunkle Wolken auf, aber sie nähern sich dem Park in sehr gemächlichem Tempo.

Das satte Grün der Wiesen präsentiert die großen Laubbäume, deren Kronen sich sanft vor dem noch blauen Himmel im lauen Wind wiegen. Gitti trägt heute einen hellblauen Anorak, und so wird sie nun von der Sonne vor all dem grünen Laub und auf einer grünen Wiese stehend, leuchtend in Szene gesetzt. Wenige Meter daneben erspähe ich die Bronzefigur eines zarten Rehs.

Wir spazieren an einem kleinen See vorbei. Aus dem Wasser erhebt sich eine Wasserfontäne. Ihr Rauschen und das Plätschern des in den See zurückfallenden Wassers liefern einen klangvollen Beitrag zum Konzert der zwitschernden Vögel. Auf dem See schwimmt eine Ente. Quakend stimmt sie kurz mit ein, wie eine Solistin. Nach Beendigung ihres Quak-Parts taucht die Ente kopfüber in den See hinein, als wolle sie sich zum Abschluss ihrer Vorstellung verbeugen. Nur ihr puscheliges Hinterteil reckt sich noch dem Himmel entgegen. Die rötlich schimmernden Füße liegen an der Wasseroberfläche und geben der Ente Halt.

Gemeinsam entdecken Gitti und ich wenig später an einem der hoch aufragenden Bäume große, becherförmige Blüten. Ein paar davon haben sich bereits glockenartig geöffnet und zeigen ihr orangefarbenes Inneres. Was mag das für ein Baum sein? Es sieht aus, als wüchsen auf diesem riesigen Baum ganz viele Tulpen!

Gitti und mir gemeinsam ist ein gewisser Wissensdurst. Routiniert zieht die liebe Gitti nun ihr Smartphone zu Rate. Hatte sie auf dem Gerät nicht mal eine App installiert, die hier weiterhelfen kann? Während sie mit der App kämpft, mache ich ein paar Fotos. Dann kreuzt ein Pärchen unseren Weg. Wir fangen einen Teil ihrer Unterhaltung auf, deren Gegenstand ein Tulpenbaum ist. Das deckt sich mit Gittis Recherche.

Die Bewegung tut uns gut. Frische Luft durchflutet unsere Lungen. Der Spaziergang belebt unsere Sinne. Bald ziehen sich die Wolken dichter zusammen. In einem leichten Bogen wenden wir uns in Richtung Heimweg.

Im Park gibt es einen 42 m hohen Aussichtsturm. Wir kommen auf unserem Weg nicht direkt am Turm vorbei, aber etwas unterhalb davon. Gitti und ich legen die Köpfe in unsere Nacken und schauen hinauf. Dem Aussichtsturm liegt eine Stahlnetzkonstruktion zu Grunde. Es gibt vier Plattformen, zu denen man über zwei gegenläufig um des Turmes Mitte gewundene Treppen emporsteigen kann.

Aus unserer Position heraus wirken die Treppen steiler, als sie es vermutlich sind. Ein starres Geländer können Gitti und ich nicht ausmachen. Immerhin gibt es entlang der Treppen unauffällige Stahlseile, an denen man sich festhalten kann. Das ganze Gebilde ist recht luftig ausgeführt.

Gitti und ich wollen diesen Turm lieber nicht erklimmen. Aus sehr unterschiedlichen Gründen müssen wir wohl beide auf die tolle Aussicht verzichten, die uns hier geboten würde. An dieser Stelle könnten wir uns natürlich grämen, dass uns der Ausblick verwehrt bleibt. Wir erteilen jedoch der Chance auf ein Bad in irgendeinem Selbstmitleid ganz bewusst eine klare Absage. Und das funktioniert zum Beispiel mit diesem Satz: Prima, dann gehen wir doch einfach gemeinsam nicht hinauf!

Kichernd wenden Gitti und ich uns wieder dem Heimweg zu. Unterwegs stellen wir wieder einmal fest, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Das tut echt gut, denn es stärkt uns beide sehr. Bei allen Gemeinsamkeiten gibt es aber auch deutliche Unterschiede, und die stärken uns ebenfalls. Die Mischung macht es!

Als wir schon fast zu Hause sind, gibt es noch einen Rest schönen Wetters, der vermutlich noch eine knappe Stunde lang anhalten wird. Gitti schlägt ein Weißwurstfrühstück im Biergarten vor. Ich stimme sofort begeistert zu.

Das Wetter spielt passgenau mit. Der erwartete Regen setzt ein, als wir gerade die Haustür hinter uns schließen. Wir setzen einen Tee auf und beschließen, uns heute gemeinsam nicht weiter um den Haushalt zu kümmern. Den restlichen Tag gestalten wir fröhlich und sehr gemütlich.

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