Voller Vorfreude auf unseren Urlaub laufen Gitti und ich mit unseren Koffern und zwei kleinen Rücksäcken zunächst zur S-Bahn, fahren damit zum Flughafen und begeben uns dann flugs in das angenehm kühle Flughafengebäude.
Heute ist Sommersonnenwende. Draußen ist es brütend heiß. Das Thermometer zeigt 34°C im Schatten an. Die nächsten Tage wird es zu Hause wohl noch deutlich wärmer werden.
Unser Urlaubsziel ist das malerische Städchen Lagos, welches sich an der Südküste Portugals befindet. Dort werden Gitti und ich uns abkühlen! Ja, abkühlen!!
In Lagos werden die Temperaturen nämlich während der nächsten zwei Wochen vornehmlich unterhalb der 30°-Marke bleiben. Und nachts werden wir wunderbar schlafen können, weil die Temperatur dann zuverlässig auf unter 20°C sinken wird. Ach, wie herrlich!
Unter der heimischen Hitze ächzend schleppen wir also unser Gepäck und uns zur Gepäckaufgabe. Auf dem Weg dorthin mache ich eine Entdeckung: Im öffentlich zugänglichen Bereich des Abflugterminals unseres Flughafens gibt es Napcabs. Was ist das denn? Kann man das essen?
Nein! Was Gitti und ich hier sehen, sind begehbare Kabinen. Ihre Grundfläche schätze ich auf jeweils 2,5 x 2,5 m². Auf Englisch lädt jede der Kabinen mit diesen Worten zu einem Aufenthalt in ihr ein: sleep, relax, work, enjoy.
Ich mache eine Vollbremsung und animiere Gitti zu einem kurzen Erkundungs-Stopp. Wir geistern also um die Dinger herum.
Jede der in kühlem Weiß gehaltenen Napcabs hat eine Glastür. Daneben prangt ein Display, mit dessen Hilfe die Napcab auch spontan gebucht werden kann. Klar geht das auch vorab via App.
Eine der Kabinen ist belegt. Ihre Glastür ist mit einem weißen Rollo vor neugierigen Blicken ins Innere geschützt. Auf leisen Sohlen schleichen wir also zu einer anderen Kabine. Dort erhaschen wir einen Blick auf die sehr steril anmutende Einrichtung. Alles ist in blütenreinem Weiß und blassem Grau gehalten. Es gibt ein schmales Bett. Das weiße Kopfkissen und die ebenfalls weiße Bettdecke liegen akkurat auf dem selbstverständlich weißen Laken. Daneben ist ein Tisch eingebaut. Unter dem Tisch steht ein kleiner Mülleimer. Die Bettumrandung und die Front des Tisches passen farblich perfekt zu dem Mülleimer – alles trist und grau. Die Rückwand der klimatisierten Kabine füllt ein großer Spiegel aus. Die Spiegelfläche vergrößert den kleinen funktionalen Raum wenigstens optisch.
Gitti läuft ein Schauder über den Rücken. Sie friert bei dem Anblick der Napcab und freut sich schon darauf, dass unser Hotelzimmer mit mehr Platz aufwarten und gemütlich eingerichtet sein wird. Ein kurzes und zugleich belebendes Schläfchen könnte Gitti sich zwar gerade schön vorstellen, aber bitte nicht in solch einer kleinen, sterilen Box! Ungläubig liest sie noch einmal den einladenden Werbeslogan der Kabine. Schlafen und Relaxen könnte sie hier nur, wenn sie unglaublich müde wäre. Zum Arbeiten braucht Gitti Platz. Nicht nur auf dem Tisch! Ihr kreativer Geist fordert Raum um Kopf und Körper herum ein. Besonders das „Enjoy“ würde Gitti an diesem Ort echt schwerfallen.
Wir lösen uns von unserer Entdeckung und geben nun endlich unsere Koffer auf. Hinter der Sicherheitskontrolle lädt ein Coffee-Shop zum Verweilen ein. An einem kleinen, quadratischen Tisch sinken Gitti und ich nieder.
Gedankenverloren rührt Gitti in ihrem Kaffee herum. Ich muss meine Beine ein wenig entfalten. Wir werden im Laufe des Tages noch genug Zeit auf fliegenden Polstersesseln verbringen.
„Au!“, entfährt es Gitti. Ups, da muss ich wohl ihren Fuß getroffen haben!
Gitti empört sich, sie sei mit ihren Füßen doch ganz bei sich.
Betreten gucke ich unter den Tisch. Ihre beiden Füße und mein rechter Fuß befinden sich gemeinsam unter Gittis Stuhl. Also formuliere meine Bitte um Entschuldigung: „Ja, tut mir leid, da war ich gerade wohl auch ganz bei Dir.“
Einige Zeit später geht es zum Boarding. In der Kabine des Flugzeuges geht es naturgemäß eng zu. Ich habe uns schon ein wenig mehr Beinfreiheit hinzugebucht, aber seitlich müssen sich die Gäste miteinander arrangieren und die schmalen Armlehnen gemeinsam nutzen. Mein Sitznachbar zur Linken quillt etwas über. Gitti sitzt zu meiner Rechten. Mit ihr wechsle ich mich ab. So nutzt jede von uns mal den vorderen und dann wieder den hinteren Teil der Armlehne.
Zu bemerken ist: Diese Sessel fliegen, die Napcabs nicht. Plötzlich erscheint mir die Weite der vorhin besichtigten Schlafkabine doch sehr verlockend.
Am Zielflughafen angekommen, begeben Gitti und ich uns noch auf einen etwa einstündigen Transfer in einem Minivan – und dann ist Schluss mit Enge und Platznot!
Am Hotel werden wir sehr herzlich empfangen. Man entreißt uns gleich am Eingang das Gepäck. Mit einem Gläschen Sekt in der Hand warten wir alsdann kurz auf bequemen Sesseln darauf, dass sich die Formalitäten des Eincheckens wie von selbst erledigen. Und dann beziehen wir unser geräumiges Zimmer, nehmen ein köstliches Abendessen ein und freuen uns über die bombastische Aussicht auf das weite, blaue Meer.