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Wachstumsrichtungen

Höher, schneller, weiter? Wachsen um jeden Preis? Wo überall begegnet mir dieses ominöse Wachstum eigentlich?

Ganz allgemein bedeutet Wachstum, dass eine Messgröße im Laufe der Zeit zunimmt.

Kinder sind zuerst ganz klein, und dann wachsen sie – nicht immer gleich schnell, aber insgesamt und über einen längeren Zeitraum hinweg doch beträchtlich. Später im Leben schrumpfen viele Menschen wieder ein bisschen. Das liegt unter anderem an den Bandscheiben. Die liegen ja wie elastische Druckpolster zwischen den Wirbeln. Im Alter verlieren sie an Flüssigkeit und werden dünner.

Unter dem Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft versteht man die Änderung des Bruttoinlandsprodukts im Vergleich zur davorliegenden Periode. Das klingt ganz schön sperrig. Meine Vorstellungskraft schreit laut nach einer Hilfestellung. Es muss doch möglich sein, einfache Worte dafür zu finden!

Wer das Bruttoinlandsprodukt bestimmt, der zählt zum Beispiel den Wert aller im Land produzierter Waren und aller erbrachter Dienstleistungen zusammen. Vorleistungen zieht er davon ab. Gemeint ist: Der Wert des leckeren Brötchens wird mitgezählt, und die Kosten für den Strom und das Mehl, die der Bäckerei bei der Herstellung dieses Brötchens entstanden sind, werden als Vorleistung abgezogen. Heraus kommt zum Schluss der Geldbetrag, der erwirtschaftet wurde. Es gibt weitere Methoden, mit denen sich das Bruttoinlandsprodukt berechnen lässt.

Der Vergleich zur Vorperiode, also beispielsweise zum Vorjahr, liefert das Wachstum. Rechnet man dann noch Preissteigerungen heraus, landet man bei dem sogenannten realen Wirtschaftswachstum.

Die Mathematik erlaubt hier natürlich auch negative Rechenergebnisse. Aber deswegen heißt die schöne Formel ja nicht plötzlich anders! Kommt Null heraus, gibt es demnach ein Nullwachstum. Und wenn der Wert negativ ist, weil dieses Jahr eben weniger herauskam als letztes Jahr, dann spricht man von einem negativen Wachstum. Der Formel ist das egal.

Spricht allerdings ein Politiker oder ein Wirtschaftswissenschaftler davon in der Öffentlichkeit, fallen wir bereitwillig über ihn her. Wir unterstellen unverzüglich, dass er uns für blöd hält und uns ein Schrumpfen immer noch als eine Art des Wachstums verkaufen will. Je nach Empörungslevel lauschen wir dem Rest seiner Ausführungen nicht mehr.

An dieser Stelle kann ich bereits feststellen, dass Wachstum im allgemeinen Sinne eigentlich immer eine Richtung hat. Es geht mal hoch, mal runter, und es lässt bestimmt keine der anderen Richtungen aus, die denkbar sind.

Persönlich sollen und wollen wir ja auch immerzu wachsen. Zum Beispiel an unseren Aufgaben. Unsere Leistungsgesellschaft fordert von uns die stete Bereitschaft, einen Beitrag zu irgendeinem Wachstum zu leisten. Mehr oder weniger bereitwillig üben wir uns also darin, uns in der Welt zurechtzufinden und mit Neuerungen aller Art umzugehen.

Meine Neugierde hilft mir, die Bereitschaft zu entwickeln, die dazu erforderlich ist. Höre nie auf, anzufangen, und fange nie an, aufzuhören! Dennoch nörgle ich vor mich hin und fühle mich ein wenig gegängelt – bis mir dieser Umstand einfällt: Konsumieren hilft ungemein dabei, einen wertschöpfenden Beitrag zu leisten!

Ich begebe mich ohne weiteren Umweg in die Küche. Dort treffe ich auf Gitti, die bereits Gefahr läuft, dass ihr der Hunger bald ein Leids getan haben wird.

Wir bereiten uns also schnell ein köstliches Abendessen zu und speisen genüsslich, bis wir uns gut gesättigt fühlen.

„Das hier“, postuliere ich im Anschluss, „legt Zeugnis davon ab, dass ich dazu imstande bin, an meinen Aufgaben und Herausforderungen zu wachsen!“ Zur unmissverständlichen Untermalung greife ich dabei beherzt mit beiden Händen an zwei verschiedenen Stellen in meinen Rettungsring, den ich mir beim Meistern diverser kulinarischer Herausforderungen angefressen habe. Auch ein Wachstum in die Breite ist ein Wachstum!

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