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Hausgemacht

Das Freiburger Vorderhaus ist ein ganz wunderbarer Veranstaltungsort. Es gibt dort eine kleine Kleinkunstbühne, und das Programm ist stets abwechslungsreich. Im selben Haus, gleich gegenüber des Einlasses zum Zuschauerraum, entdecken wir das Piqueo, ein Restaurant mit peruanischer Küche und einer Cocktailbar.

Spontan zieht es uns hinein. Heute gibt es sogar Live-Musik. Kellner tragen herrlich duftende, appetitlich angerichtete Gerichte an uns vorbei. Alle Tische sind besetzt, aber wir ergattern noch Plätze an der Bar. Gitti hockt auf einem Barhocker, bewegt sich zum Rhythmus der Musik und wirft einen Blick auf die verheißungsvolle Speisekarte. Hier müssen wir unbedingt einmal zum Essen einkehren!

Das mit dem Essen müssen wir auf einen anderen Tag verschieben. Ein junger Barkeeper fragt nach unseren Wünschen. Wir fragen ihn, ob es hausgemachte Limonade gibt. Er nickt. Ja, dann wollen wir jede ein Glas davon. Der Barkeeper widmet sich seinen Aufgaben und arbeitet zunächst die Bestellungen einiger anderer Gäste ab.

Während der Wartezeit sehen wir uns ausführlich um, lauschen der schönen Musik und freuen uns über die vielen Menschen, die angeregt miteinander reden und den Abend gemeinsam genießen.

Der Barkeeper stellt nun große Gläser auf die Theke. Es besteht kein Zweifel, die sind für uns. Aber sie sind gefüllt mit einem dunkelroten Getränk. Wir sind überrascht. Normalerweise assoziieren wir mit Limonade ein Getränk gelber Farbe, vielleicht noch eine durchsichtige Flüssigkeit. So haben wir uns das jedenfalls nicht vorgestellt. Hat er missverstanden, was wir wollten? Wir schnuppern, erhaschen einen frischen Duft, werden neugierig, lassen uns darauf ein und probieren.

Wow! Das Getränk wirkt erfrischend, schmeckt toll, und – wonach schmeckt das eigentlich genau?

Konzentriert schnüffeln und nippen wir weiter. Das muss doch zu ergründen sein! Auf jeden Fall sind Zimt und Nelken dabei, vermutlich auch Limettensaft. Wir beraten, ob ein Hauch von Apfel enthalten sein könnte. Aber was macht das Zeug so rot? Die satte dunkelrote Farbe zieht uns mehr und mehr in den Bann und bald auf die Fährte von Kirschen und roten Beeren aller Art. Auch an Rote Bete denken wir kurz, verwerfen die Idee jedoch schnell wieder, weil Rote Bete einen erdigen Geschmack verursacht hätte, und erdig schmeckt diese Limonade nun wirklich nicht. Das trifft es alles nicht. Wir sind ratlos. Und jetzt? Gitti schnappt sich die Getränkekarte, findet dort aber keinen Hinweis auf die Ingredienzien.

Der junge Barkeeper wird befragt. Er sagt, er wisse es auch nicht so genau, aber die Limonade werde im Haus gemacht und die Leute aus der Küche hätten ihm gesagt, sie sei aus Mais hergestellt. Ja klar, aus Mais. Mais ist gelb! Ich gestehe, schon seines Alters wegen nehmen wir ihn nicht so ernst, wie er es vielleicht verdient hätte.

Wir genehmigen uns noch einen Schluck. Gitti sagt, das Getränk hieße laut Getränkekarte Chicha Morada. Das Internet muss ran.

Diese Limonade ist eines der beliebtesten Erfrischungsgetränke Perus. Sie wird tatsächlich mit Mais hergestellt, und zwar mit lilafarbenem. Und tatsächlich ist der für das dunkle Rot verantwortlich. Gut, dass wir den Barkeeper nicht haben merken lassen, dass wir ihm nicht glauben. So kommen wir nun um das Eingestehen unserer Fehleinschätzung und eine Bitte um Entschuldigung herum.

Wo bekommt man bloß roten Mais? Wir fragen erneut das Internet und finden heraus, dass man ihn genau dort auch bestellen kann. Er wird als Maíz Morado angeboten. Vielleicht finden wir ihn ja auch in einem gut sortierten Geschäft in unserer Nähe.

Längst steht unser Beschluss, uns diese Chicha Morada einmal selbst zuzubereiten. Gitti findet ein Rezept, und auch ich merke mir den klangvollen Namen – und speichere vor allem den herrlichen Geschmack in meinem kulinarischen Gedächtnis ab.

Es dauert eine ganze Weile, bis wir eine schöne Gelegenheit finden, das Rezept einmal auszuprobieren. Gitti besorgt die Zutaten. Die Packung mit den dunklen, lilafarbenen Maiskolben starren wir zunächst etwas skeptisch an, aber wir wollen uns unbedingt auf das kleine Abenteuer einlassen.

So waschen wir die etwa 500 g wiegenden Maiskolben ab, bevor sie als ganze Kolben in einen großen Topf wandern. Wir geben 400 g Ananasstücke, fünf Nelken, zwei Zimtstangen und vier Esslöffel Zucker hinzu. Gitti gießt Gitti 400 ml Apfelsaft, den Saft von drei Limetten und vier Liter Wasser in den Topf. Sie stellt eine vierte Limette und einen Strauß frischer Minze bereit, die wir später zum Dekorieren der Gläser verwenden werden.

Jetzt ist nicht mehr viel zu tun. Ein Deckel verschließt unseren Topf, der Inhalt kocht kurz auf und anschließend lassen wir alles vor sich hinköcheln. Nach eineinhalb Stunden schauen wir nach, wie sich die Zutaten im Topf entwickelt haben. Der Mais ist noch nicht so weich, wie wir es erhofften. Wir geben eine halbe Stunde zu. Nach insgesamt zwei Stunden sehen wir ein, dass sich dieser Mais schier nicht erweichen lässt, also stellen wir den Herd aus. Ein vielversprechender Duft hat sich in unserem Zuhause ausgebreitet. Die ehemals sonnengelben Ananasstücke sind inzwischen dunkelrot. Wir probieren den noch heißen Saft und natürlich auch die Ananasstücke. Müssen wir noch nachwürzen? Nein, Gitti und ich sind bereits zufrieden. Es ist allerdings schon spät am Abend, und so lassen wir den Topf einfach über Nacht stehen.

Am nächsten Morgen probieren wir noch einmal – und sind immer noch zufrieden. Also siebt Gitti den Topfinhalt durch. Es sind noch etwa zweieinhalb Liter Saft übrig, der Rest der Flüssigkeit ist von den Ananasstücken und dem Mais aufgesogen worden, beim Kochen verdampft oder beim Vorkosten in uns selbst gelandet. Die Ananasstücke separieren wir, sie schmecken einfach zu köstlich. Wir füllen den Saft in leere Weinflaschen und legen diese dann in den Kühlschrank.

Unsere Hauslimonaden-Premiere mit dem hübschen Namen Chicha Morada ist uns recht gut gelungen. Am Abend servieren wir sie als Willkommensgruß vor einem Essen mit Freunden. Das werden wir auf jeden Fall noch einmal machen! Sicher kann man das Getränk auch fertig zubereitet bei einem gut sortierten Händler kaufen, aber hausgemacht ist es einfach etwas Besonderes.

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